5-Tage-Familienroute Sarajevo–Mostar

Getestet mit 2 Kindern (7 & 10) — ehrlich, konkret, mit echten Tipps

Autor: Emina Šarić

Warum diese Route für Familien funktioniert

Bosnien & Herzegowina ist kein Land, das du mit Kindern hastig durchhetzt. Aber genau das wollte ich 2024 nicht tun. Ich habe die Route Sarajevo–Mostar so konzipiert, dass pro Tag maximal zwei Hauptattraktionen auf dem Plan stehen — und immer eine davon für die Kinder wirklich greifbar ist. Kein Museum nach dem anderen. Kein stundenlanger Spaziergang ohne Ergebnis.

Die Gesamtstrecke von Sarajevo nach Mostar beträgt auf der direkten Route (M17) rund 130 km. Wir sind diese Strecke über 5 Tage verteilt gefahren, mit Umwegen über Blagaj und Kravica. Fahrzeit rein: etwa 2,5 Stunden. Mit Kindern im Auto plant man realistisch das Doppelte — Pausen, Fragen, Hunger.

Was mich jedes Mal wieder überrascht: Bosnien ist für Kinder viel intuitiver erlebbar als viele andere Reiseziele. Die Architektur erzählt Geschichten, die Natur ist zum Anfassen, und die Menschen — das sage ich als Bosnierin — sind echte Kinderfreunde. Meine Kinder wurden überall mit Süßigkeiten und Lächeln empfangen. Das ist keine Übertreibung.

Tag 1 — Sarajevo: Ankunft und Baščaršija entdecken

Wir sind frühmorgens in Sarajevo angekommen und haben uns direkt in die Baščaršija gestürzt — den osmanischen Bazar, der das Herz der Altstadt bildet. Mein Tipp: Geht vor 9 Uhr. Dann gehören die Kopfsteinpflastergassen fast euch allein. Die Händler bauen gerade ihre Stände auf, der Geruch von frisch gebackenem Brot zieht durch die Straßen.

Der Sebilj-Brunnen ist für Kinder ein toller erster Anlaufpunkt: Die Tauben sind zahm, die Fontäne plätschert, und es gibt genug Platz zum Herumrennen. Mein Jüngster (7) hat dort mindestens 20 Minuten Tauben gezählt. Manchmal braucht es nicht mehr.

Mittag: Ćevapi für Einsteiger

Zum Mittagessen empfehle ich Ćevapi bei Petica Aščinica in der Baščaršija. Kleine, unkomplizierte Lokale, in denen du siehst, wie das Essen zubereitet wird. Ćevapi (gegrillte Hackfleisch-Röllchen) mit Lepinja-Brot und Zwiebeln — beide Kinder haben sofort zugegriffen. Preis: ca. 7–9 KM (≈ 3,50–4,50 €) pro Portion.

Nachmittag: Trebević-Seilbahn

Die Trebević-Seilbahn ist der Familienausflug schlechthin. Oben angekommen wartet die verlassene Bobbahn aus den Olympischen Spielen 1984 — mit Graffiti übersät, von der Natur zurückerobert. Mein 10-Jähriger war fasziniert. Ich habe ihm erklärt, was 1984 hier passiert ist und was danach. Er hat mehr zugehört als erwartet.

Praktisch: Seilbahn-Talstation am Bistrik, Fahrt ca. 5 KM pro Person (Hin- und Rückfahrt). Oben gibt es ein Restaurant mit Aussicht über ganz Sarajevo. Öffnungszeiten: täglich 09:00–21:00 Uhr (Sommer).

Tag 2 — Sarajevo: Geschichte begreifbar machen

Geschichte mit Kindern — das klingt nach Pflichtprogramm. Muss es nicht sein. Der Tunnel der Hoffnung (Tunel spasa) am Stadtrand Sarajevos ist für Kinder ab etwa 8 Jahren wirklich bewegend. Der 800 Meter lange Tunnel wurde während der Belagerung 1992–1995 gegraben, um die Stadt mit Nahrung zu versorgen. Heute ist ein Teil begehbar — gebückt, eng, mit Originalausrüstung.

Mein Älterer hat danach kaum gesprochen. Dann fragte er: "Mama, wie lange hat das gedauert?" Das sind die Momente, für die man reist.

Eintritt Tunnel der Hoffnung: 10 KM Erwachsene, 5 KM Kinder. Adresse: Tuneli 1, Butmir. GPS: 43.8214° N, 18.3089° O. Täglich 09:00–17:00 Uhr.

Nachmittag: Vijećnica und Lateinerbrücke

Das Rathaus Vijećnica am Fluss Miljacka ist eines der schönsten Gebäude Sarajevos — pseudomaurischer Stil aus der Habsburger-Zeit, mit einem Glasdach, das Kinder zum Staunen bringt. Danach kurzer Spaziergang zur Lateinerbrücke, wo 1914 Erzherzog Franz Ferdinand erschossen wurde und damit der Erste Weltkrieg ausgelöst wurde. Das kleine Museum daneben kostet 4 KM Eintritt und erklärt die Geschichte gut.

„Mama, war das hier wirklich der Anfang vom Weltkrieg?" — Mein Sohn, 10, vor der Lateinerbrücke. Ja, war es. Und manchmal braucht es genau diesen Moment vor Ort, damit Geschichte wirklich landet.

Tag 3 — Richtung Süden: Blagaj und die Tekija

Von Sarajevo nach Blagaj sind es rund 120 km, Fahrzeit ca. 1,5 Stunden auf der M17 Richtung Mostar. Wir haben einen Stopp in Konjic eingelegt — die kleine Stadt an der Neretva hat einen schönen osmanischen Bazar und eine alte Brücke, an der die Kinder Steine ins Wasser werfen durften. Manchmal sind es die ungeplanten 20 Minuten, die am längsten in Erinnerung bleiben.

Blagaj — das Kloster am Wasser

Als ich 2024 das erste Mal mit meinen Kindern vor der Tekija in Blagaj stand, habe ich kurz innegehalten. Das Sufi-Kloster aus dem 17. Jahrhundert klebt buchstäblich an einem Felsen, direkt über der Buna-Quelle — einem der größten Karst-Quellsysteme Europas. Das Wasser ist türkisblau und eiskalt, selbst im Hochsommer.

Meine Tochter (die damals noch nicht mitgekommen war, aber ich kenne ihre Reaktion aus einem früheren Besuch) hätte gefragt, ob die Menschen hier früher wirklich im Kloster gewohnt haben. Die Antwort ist ja — und Derwische meditieren dort bis heute.

Eintritt Tekija: 5 KM. Die Restaurants direkt am Fluss servieren gegrillten Forellenbarsch — frischer geht nicht. Preis ca. 15–20 KM pro Portion. Empfehlung: Restaurant Vrelo, direkt am Wasser.

Tag 4 — Kravica-Wasserfälle und Ankunft in Mostar

Die Kravica-Wasserfälle sind 25 km südwestlich von Mostar, ein Umweg von der Hauptroute, der sich lohnt. 25 Meter hoch, 120 Meter breit — und man darf schwimmen. Das ist für Kinder nicht verhandelbar. Meine zwei haben sich sofort ins Wasser gestürzt, obwohl es Anfang Juli noch ziemlich frisch war.

Wichtig für Familien: Kommt vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr. In der Hochsaison (Juli/August) ist es mittags extrem voll und der Parkplatz kostet extra. Eintritt: ca. 10 € pro Person. Kinder unter 6 Jahren frei. Es gibt Umkleidekabinen, Restaurants und Toiletten vor Ort.

Nach Kravica weiter nach Mostar — Ankunft am frühen Nachmittag. Wir haben ein Apartment in der Nähe der Altstadt gebucht (ca. 55 € pro Nacht für 4 Personen auf Booking.com). Mein Tipp: Nicht direkt in der Altstadt übernachten — zu laut, zu teuer. Westmostar ist ruhiger und 10 Minuten zu Fuß.

Tag 5 — Mostar: Stari Most und Altstadt

Den letzten Tag haben wir komplett Mostar gewidmet. Der Stari Most — die osmanische Bogenbrücke, 1566 von Hayruddin erbaut, 1993 zerstört und 2004 originalgetreu wiederaufgebaut — ist UNESCO-Weltkulturerbe und das Herzstück der Stadt.

Mein Tipp: Geht zum Stari Most um 8:00 Uhr morgens. Dann ist die Brücke fast leer, das Licht fällt perfekt von Osten, und die Kinder können ohne Gedränge über die rutschigen Kalksteinplatten laufen. Ja, die Steine sind wirklich glatt — haltet kleine Kinder an der Hand.

Brückenspringer — zuschauen oder mitmachen?

Die Brückenspringer vom Stari Most springen seit 1664 von der Brücke — aus 21 Metern Höhe in die Neretva. Mein 10-Jähriger war hin und weg. Zuschauen: kostenlos, aber die Springer sammeln vorher Geld. Selbst springen: nur mit Begleitung vom lokalen Klub, ca. 50 € und erst ab 18 Jahren. Für Kinder also: Zuschauen und staunen.

Altstadt Kujundžiluk — Einkaufen mit Kindern

Die Altstadt-Gasse Kujundžiluk ist Touristenkitsch und echtes Handwerk gleichzeitig. Meine Kinder haben sich Kupferarmreifen ausgesucht (je 5–8 KM) und ich habe Lokum (türkisches Konfekt) für die Heimreise gekauft. Verhandeln ist erlaubt und macht Kindern Spaß — lasst sie ruhig mal selbst fragen.

Ausflug Počitelj — wenn noch Zeit bleibt

Wer am letzten Tag noch Energie hat: Počitelj, 30 km südlich von Mostar, ist eine osmanische Festungsstadt auf einem Felsen, die kaum jemand kennt. Schmale Treppen, alte Moschee, Blick aufs Neretva-Tal. Für Kinder ab 6 Jahren gut machbar, Eintritt frei. Wir haben dort unsere letzte bosanska kafa getrunken — langsam, in der Sonne, ohne Plan.

Praktische Infos für die Route auf einen Blick

Tag Hauptziel Fahrstrecke Übernachtung Kosten ca.
1 Sarajevo Baščaršija + Trebević Anreise Sarajevo Zentrum 50–70 € (Hotel)
2 Tunnel der Hoffnung + Vijećnica Stadtfahrten Sarajevo Zentrum 50–70 € (Hotel)
3 Blagaj Tekija ~120 km Mostar oder Blagaj 45–65 € (Apartment)
4 Kravica-Wasserfälle ~40 km Umweg Mostar West 45–60 € (Apartment)
5 Stari Most + Altstadt Mostar Stadtfahrten Abreise oder Verlängerung

Währung: Konvertibilna Marka (KM/BAM), 1 € = 1,95583 KM (fest gekoppelt). In Städten werden Karten akzeptiert, in ländlichen Gebieten lieber Bargeld mitnehmen.

Roaming: BiH ist kein EU-Mitglied — kein EU-Roaming. Lokale SIM von BH Telecom Tourist empfehlenswert: ca. 20 KM für 15 GB, 30 Tage. Am Flughafen Sarajevo erhältlich.

Einreise: Personalausweis genügt für D/A/CH-Bürger, kein Reisepass nötig. Visumfrei bis 90 Tage.

Notruf: 112 (EU-Notruf funktioniert auch in BiH).

Was wir unterschätzt haben — ehrliche Fehler

Ich wäre keine gute Reisebloggerin, wenn ich nur das Schöne erzählen würde. Hier sind drei Dinge, die wir falsch gemacht haben:

  • Mostar im August um Mittag: Die Altstadt ist bei 35°C und 5.000 Touristen gleichzeitig eine Tortur. Morgens oder abends — niemals mittags.
  • Kravica ohne Reservierung: Es gibt keine Reservierung, aber wer zu spät kommt, steht im Stau. Vor 10 Uhr anreisen.
  • Zu viel an einem Tag: Tag 3 hatten wir ursprünglich Blagaj UND Počitelj UND Kravica geplant. Das ist mit Kindern illusorisch. Wir haben Počitelj auf Tag 5 verschoben. Weniger ist mehr.

FAQ — Häufige Fragen zur Familienroute Sarajevo–Mostar

Ab welchem Alter ist diese Route geeignet?

Ab etwa 5 Jahren gut machbar, wenn ihr die langen Museumsbesuche weglasst. Der Tunnel der Hoffnung ist für Kinder unter 7 Jahren möglicherweise zu beengend und emotional belastend — das liegt am Kind. Die Kravica-Wasserfälle und Trebević sind für alle Altersgruppen ideal.

Brauche ich einen Mietwagen?

Ja, für diese Route ist ein Auto praktisch unverzichtbar. Öffentliche Busse verbinden Sarajevo und Mostar (ca. 3 Stunden, 15–20 KM), aber Blagaj und Kravica sind ohne Auto kaum erreichbar. Mietwagen ab Sarajevo ab ca. 30–40 € pro Tag.

Wie viel Budget brauche ich pro Tag für eine Familie mit 2 Kindern?

Realistisch 80–120 € pro Tag für 2 Erwachsene + 2 Kinder: Unterkunft (45–70 €), Essen (20–30 €), Eintritte und Aktivitäten (15–25 €). Bosnien ist etwa 50% günstiger als Deutschland.

Ist die Route auch im Frühjahr oder Herbst möglich?

Ja — und ich würde sogar sagen: Mai und September sind besser als der Hochsommer. Weniger Touristen, angenehme Temperaturen, und die Kravica-Wasserfälle führen im Frühjahr mehr Wasser. Im Herbst leuchten die Wälder rund um Sarajevo in Rottönen.

Sind die Straßen kindersicher / gut befahrbar?

Die Hauptroute M17 ist gut ausgebaut. Auf Nebenstraßen (z.B. Richtung Počitelj) sollte man vorsichtig fahren — Schlaglöcher sind möglich. Tempolimit: Innerorts 50 km/h, Landstraße 80 km/h. Promillegrenze: 0,3‰.

Gibt es Minengefahr auf dieser Route?

Auf den in diesem Artikel beschriebenen Routen und touristischen Zielen: nein. Grundsätzlich gilt in BiH: Nie abseits markierter Wege gehen, besonders in ländlichen und bewaldeten Gebieten. Die BHMAC-Karte (Bosnian Mine Action Centre) gibt Auskunft über betroffene Gebiete.

Mein Fazit nach dieser Reise — und nach unzähligen Fahrten durch ganz BiH seit meiner Kindheit: Die Route Sarajevo–Mostar ist eine der schönsten Familienreisen, die du auf dem Balkan machen kannst. Nicht weil alles perfekt ist, sondern weil dieses Land echt ist. Die Geschichte ist greifbar, die Natur ist zum Anfassen, und die Menschen machen aus Fremden innerhalb von fünf Minuten Freunde. Meine Kinder sprechen noch heute von der Bobbahn auf dem Trebević und den Springern am Stari Most. Das ist der Beweis, dass wir alles richtig gemacht haben.

— Emina Šarić, Grundschullehrerin und Mutter aus Tuzla, Juli 2024

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